Die schöne Bäckerin

Rezensionen

lesezeichen.szylla vom 8. Juni 2007

elk-von-lyck.blogspot.de vom 21. November 2012

Die Rheinpfalz vom 17. September 2007 (Zitate): "Liebesknochen in der Dorfscheune (...) 'Die schöne Bäckerin' ist eine amüsante, intelligente und vor allem erotische Geschichte. (...) Reizvoll, wie schon bei dem Immoralisten des Mittelalters, ist es, dass Olga Manj deftige erotische Begebenheiten nur andeutet. Namen für Kuchen und Gebäck wie Spritzkuchen, Bienenstich, Erdbeersahnetorte oder Liebesknochen bieten ihr reichlich Vorlagen. (...)"

 

Textauszug

 

(...)

 

Das Jahr schritt voran, die Sonne stach mit afrikanischer Kraft vom Himmel. Die Weizenernte begann und der Getreidestaub haftete auf Volker, als durchquere er jeden Tag die Sahara bei einem Sandsturm. Auch Jutta bekam Farbe, denn sie fuhr mit Schlepper und Anhänger das Getreide von den Äckern nach Hause. Nun wurden in Juttas Garten die Himbeeren reifer und reifer, so dass sie sich eines Tages von der Feldarbeit frei nahm, die Beeren pflückte und trotz der Bullenhitze eine Himbeersahnetorte mit Baiserhäubchen buk. Die schneeweiße Köstlichkeit war am Nachmittag fertig. Jutta kochte Kaffee, probierte die frische Torte und beschloss gutgelaunt, das neue Buchhaltungsprogramm endlich zu installieren, damit sie bei ihrem Mann aus der Bredouille käme. Sie saß also in knappen Shorts und dünnem T-Shirt, braungebrannt und barfuß vor dem Rechner und starrte gebannt auf den Monitor, als Simon, der zusammen mit ihrem Sohn Oliver im Mai sein Abitur gemacht hatte, ins Haus kam. Wegen der Hitze standen alle Türen offen und so war es für Simon leicht, bis in das Büro vorzudringen. Eigentlich wollte er nach Oliver fragen, hielt sich aber zurück, weil er Jutta, die er in ihre Arbeit vertieft, konzentriert und selbstvergessen am Rechner vorfand, nicht stören wollte. Außerdem weckte die verlockende Torte auf dem Tisch sein Begehren, und er überlegte, wie er es schicklich anstellen könne, sich ein Stück zu ergattern. Da klappte der Diefenbergsche Computer mit einem Zischen zusammen und Jutta schrie den schwarzen Bildschirm an:

 

»Scheißkasten. Noch dazu ist es brühend heiß heute.« Mit diesen Worten hob sie ihr T-Shirt hoch, um sich mit dem Stoff Kühlung zuzufächeln. Für einige Sekunden lagen Juttas gewaltige und noch immer prächtige Brüste frei und erinnerten den Jungen an eine Hügellandschaft, die aus dem Meer aufsteigt. Dünen und Brüste, Gischt und Sahne überwältigten den Jungen erst einmal und ließen ihn aus dem Büro torkeln. Doch wenig später hatte er sich wieder gesammelt und machte sich beherzt bemerkbar. Beim Näherkommen warf er silbrige Blicke auf die prächtige Torte und auf Juttas wieder verhüllte Brüste. Er streichelte den toten Computer und versicherte, helfen zu wollen.

 

›Warum denn nicht?‹ dachte Jutta, ›mein Oliver ist schon bei der Marine und kann mir schließlich nicht helfen.‹ Und sie fragte, ob Simon ein Stück Torte haben wolle.

 

Dieser Tag mit seinen fünfunddreißig Grad im Schatten war zu heiß für Mensch und Maschine. Als Simon am Abend fort ging, lief der Rechner noch nicht. Auch der Mähdrescher wurde in den Hof geschleppt, als es schon Nacht war. Mähdrescher und Rechner kaputt? Volker wurde nervös, nur die Himbeersahnetorte mit den Baiserhäubchen, die Jutta aus dem Kühlschrank holte, versöhnte ihn mit diesem Tag.

 

In der schwülen Mittagshitze an einem der folgenden Tage schlich Simon wieder ums Haus. Hilfsbereit kam er herein, schraubte am Rechner herum und aß den Rest der Schlemmertorte. Freundlich, sogar ein bisschen kokett bedankte er sich für den Kuchen. Und dabei bemerkte Jutta mit dem Urteilungsvermögen einer Frau, die sich während des Frühjahrs hinsichtlich hübscher Jungengesichter im Internet weitergebildet hatte, dass dieser Junge nicht nur manierliche Umgangsformen hatte, sondern auch fabelhaft aussah. Diesmal waren das Ergebnis des Arbeitstages ein laufender Computer und die Erkenntnis, dass das Buchhaltungs-Upgrade, das Jutta installieren wollte, nicht mit dem vorhandenen Innenleben des Rechners zusammenpasste. Simon erbot sich, aus einem Mannheimer Laden passende Hard- und Software herbeizuschaffen. Jutta machte ihm Hoffnungen auf eine neue Torte und sah seinem Besuch freudig entgegen.

 

(...)

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Übrigens: Heidelberg ist UNESCO City of Literature
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